Geheimnisse in der Partnerschaft – Was darf verheimlicht werden und was auf keinen Fall?
Die absolute Durchschaubarkeit des Partners kann schnell langweilig werden. Kleine Geheimnisse innerhalb der Beziehung halten die Spannung aufrecht und lassen Spielraum für Phantasie. Doch welche Geheimnisse können preisgegeben werden und welche nicht?
Geheimnisse oder uneingeschränkte Offenheit?
Natürlich möchten wir einen Partner, dem wir alles anvertrauen können und bei dem wir uns sicher fühlen. Die meisten Paare geben Offenheit und Ehrlichkeit als wichtige Kriterien für eine gelingende Beziehung an. „Wir haben keine Geheimnisse voreinander“ ist eine typische Aussage vieler Pärchen. Diese Sicherheit schafft Vertrauen und schweißt zusammen. Wie ein unsichtbares Band verbinden gemeinsame Geheimnisse das Paar und grenzen es gegenüber anderen Menschen ab.
Allerdings gibt es zwei Seiten von Geheimnissen. Laut dem Psychologen Daniel Nitschke kann die Geheimhaltung von „schwierigen, die Beziehung belastenden Themen einer Studie nach durchaus in bestimmten Situationen, positiv mit der Zufriedenheit in der Partnerschaft verbunden sein“. Der Verdacht, „dass ein Partner Geheimnisse hat, kann sich jedoch stark negativ auf die Partnerschaftszufriedenheit auswirken.“ Abschließend stimmt der Psychologe den meisten Paaren zu und betont, dass „Offenheit und Ehrlichkeit wichtige Säulen in einer glücklichen und harmonischen Beziehung sind.“
"Ein Recht auf Geheimnisse“?
Der berühmte Soziologe Georg Simmel1 forschte ausführlich auf dem Gebiet der „Geheimnisse“ und forderte sogar, dass jeder Mensch ein Recht auf Geheimnisse haben müsse. Geheimnisse innerhalb einer Beziehung werden nicht umsonst als „Salz in der Suppe“ bezeichnet und schützen vor der ernüchternden Vorstellung, den Partner in- und auswendig zu kennen. Darüber hinaus erfüllen Geheimnisse die Funktion sich als eigenständigen Menschen zu erleben und die Unabhängigkeit der eigenen Person zu wahren.
Geheimnisse, die besser ungelüftet bleiben
Dennoch können sich Geheimnisse sowohl destruktiv als auch konstruktiv auf eine Beziehung auswirken. Im Grunde gilt: kleine Geheimnisse erhalten die Partnerschaft. Was für die Beziehung oder den Partner unbedeutend ist, muss nicht verraten werden. Auch ist es wichtig, sich über die Konsequenzen einer Offenbarung klar zu werden. Welchen Schmerz löst das Geheimnis beim Partner aus? Wie stark bringt es ihn aus dem Gleichgewicht oder verärgert ihn? Wenn der Partner beispielsweise sehr eifersüchtig ist, sollten ein unbedeutender Flirt oder erotische Träume nicht gebeichtet werden. Anders verhält es sich mit Geheimnissen, die dem Partner die Chance nehmen, sein Verhalten zu ändern oder Distanz aufbauen. Sie schaden der Beziehung ernsthaft und sollten daher angesprochen werden.
Im Laufe einer Beziehung können die Partner abschätzen, was unausgesprochen bleiben kann und wann ein klärendes Gespräch angebracht ist. In einer stabilen Partnerschaft muss es daher Raum für die Aussprache von ernsthaften Problemen geben, ohne sofort das Ende der Beziehung befürchten zu müssen. Weiterhin sollten gewisse Geheimnisse, Rückzugsräume und damit die Eigenständigkeite des Partners respektiert werden.
Dorothea Bosch, eDarling Redaktion 2011
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1Georg Simmel: Das Geheimnis und die geheime Gesellschaft.





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