Das Geheimnis des Giacomo Casanova
Kein Name ist so sehr mit Verführung und sexueller Freigiebigkeit verbunden wie der des Giacomo Girolamo Casanova. Obwohl er bereits zu Lebzeiten einen Ruf als wagemutiger Draufgänger, gebildeter Mann von Welt und Mitbegründer der französischen Staatslotterie an den europäischen Fürstenhöfen genoss, so blieb er der Nachwelt vor allem als das Sinnbild des Fraueneroberers in Erinnerung. Doch was hob Casanova damals von der Masse ab und was für einen Typ Mann meinen wir heute, wenn wir von einem „Casanova“ sprechen?
Ein Kind seiner Zeit
Giacomo Casanova hat sich insbesondere durch seine Memoiren ein Denkmal gesetzt. „Die Geschichte meines Lebens“ gehört inzwischen zur Weltliteratur und wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.
Casanova kannte die beiden Päpste Benedikt XIV. und Clemens XIII., hatte Umgang mit Friedrich dem Großen und Zarin Katharina II. und war mit intellektuellen Größen wie Voltaire bekannt. Doch die Biografie gibt nicht nur einen umfassenden Überblick über das europäische 18. Jahrhundert, sondern auch über die 122 Geliebten Casanovas.
Die romantischen Abenteuer des Giacomo Casanova
Ob diese Zahl Prahlerei oder vielleicht sogar geschönt ist, weiß nur Giacomo Casanova selbst, doch dass die Fürstenhöfe dieser Zeit keine Klöster und sexuelle Ausschweifungen durchaus zum guten Ton gehörten, ist belegt. Sicher ist auch, dass Casanova von den Frauen fasziniert war und sich erotische Abenteuer nicht entgehen ließ, wie folgendes Zitat belegt: „Je unschuldiger ein Mädchen ist, desto weniger weiß sie von den Methoden der Verführung¹.
Bevor sie Zeit hat nachzudenken, zieht Begehren sie an, Neugier noch mehr und Gelegenheit macht den Rest.“ Die Herzen der Frauen und vor allem ihre Betten, eroberte Casanova nicht nur durch seinen Charme und sein weltmännisches Auftreten, sondern auch durch seinen Ruf als Liebhaber, der ihm irgendwann vorauseilte.
Der Casanova von heute
Die Frage die sich stellt ist: „Wie viel Giacomo steckt in den Casanovas von heute?“ Die Bezeichnung hat zweifelsohne einen faden Beigeschmack, denn die Vorgehensweise ist vom moralischen Standpunkt aus nicht einwandfrei. Ein Mann, der von sich behauptet, die Frauen zu lieben und zu schätzen, sie aber nur für eine Nacht zu begehren, hinterlässt zwangsläufig eine Spur gebrochener Herzen.
Der Casanova von heute ist also in der Regel ein Verführer und guter Liebhaber, der zwar durch ein charmantes Auftreten, aber nicht durch Treue besticht. Sollte Ihnen so ein Exemplar begegnen und Sie sich von ihm angezogen fühlen, gehen Sie davon aus, dass es sich wahrscheinlich nur um einen Mann für eine Nacht handelt.
Gordon Meyer, eDarling Redaktion 2011
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¹Memoiren, Band 4, Kapitel 18

