Die erste gemeinsame Wohnung

In der ersten Zeit einer Beziehung sehnt man sich nach so viel Zweisamkeit wie möglich. Am liebsten würde man mit dem Partner morgens aufwachen und abends ins Bett gehen. Dazu müsste man aber erst einmal zusammen wohnen. Und dieser Schritt will gut überlegt sein. Denn dass so eine Aktion auch mit Einschränkungen auf beiden Seiten verbunden ist, kommt frisch Verliebten gar nicht in den Sinn. An Streit und eventuelle Beziehungsprobleme denkt an dieser Stelle niemand. Der Entschluss für eine gemeinsame Wohnung wird also häufig nach ein paar Monaten in die Tat umgesetzt.
Der Zeitpunkt
Aber wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen? Wahrscheinlich gibt es den nicht, wie bei vielen anderen Dingen auch. Eine gute Voraussetzung ist aber, wenn beide Partner sich sicher sind, dass ihre Beziehung von Dauer sein soll und sie den Alltag miteinander meistern wollen. Von Vorteil wäre natürlich, wenn man schon einige Monate zusammen ist und den Partner gut kennt. Zur Probe könnte ein Partner für ein paar Wochen bei dem anderen einziehen, seine eigene Wohnung aber trotzdem noch behalten. Wenn dann alles gut geht, steht einer gemeinsamen Wohnung nichts im Wege. Wenn sich die Interessen der Partner jedoch nicht vereinbaren lassen, wird es der Beziehung gut tun, wenn jeder seine eigene Wohnung behält, um bei Bedarf eine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Solche Beziehungen werden übrigens immer häufiger. Meist werden zwei Wohnungen behalten, weil die Arbeitsplätze der Partner zu weit voneinander entfernt sind.
Die Wohnungssuche ist in Frauenhand
Doch so eine große Sache will auch richtig vorbereitet werden. Und dabei haben in 70 Prozent der Fälle die Frauen die Zügel in der Hand. Wohnungssuche ist Mädchensache! Die Wohnung muss gut geschnitten und groß genug sein, die Lage muss stimmen, die Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsverbindung müssen gut sein und am besten soll die Wohnung im Szenekiez liegen. So viele Parameter übersteigen die zweckmäßige Logik eines Mannes, deshalb überlässt er auch gerne seiner Freundin die Suche.
Das Budget
Dabei sollte natürlich auch das Budget berücksichtigt werden. Vor allem bei jungen Paaren sitzt das Geld nicht so locker. Deshalb muss bei der Wohnung, vor allem bei der Zimmeranzahl, häufig der ein oder andere Kompromiss eingegangen werden. Das ist nicht ganz unwichtig. Denn eigentlich ist es gar nicht schlecht, wenn jeder ein Zimmer für sich hat, in das er sich zurückziehen kann. Denn die ganze Zeit aufeinander zu hocken kann ziemlich anstrengend sein! Doch auch das Geld kann ein wichtiger Grund für das Zusammenziehen sein. Denn bei einer gemeinsamen Wohnung ist der Mietanteil für jeden einzelnen meist entscheidend niedriger als bei einer eigenen Wohnung. Sollte das aber der ausschlaggebende Grund sein, sollte man mit der gemeinsamen Wohnung lieber noch warten und lieber in ein WG-Zimmer ziehen.
Neue Wohnung?
Bevor es richtig losgehen kann, muss noch die Frage geklärt werden, wer zu wem zieht oder ob man sich eine neue, gemeinsame Wohnung sucht. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. In die Wohnung des Partners einzuziehen bedeutet oft, sich an Gegebenes anpassen zu müssen. Man erspart sich allerdings den Stress der Wohnungssuche und -einrichtung. Ein Argument für eine neue Wohnung ist, nicht in die Wohnung einziehen zu wollen, in der auch schon die Ex-Freundin/der Ex-Freund des Partners gelebt hat. Diese Entscheidung hängt wahrscheinlich noch von vielen anderen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Weg zur Arbeit oder der Lage.
Die Einrichtung
Ist die passende Wohnung nach gründlicher Überlegung endlich gefunden, geht es an die Einrichtungsfrage. Da der Geschmack von Männern und Frauen bekanntermaßen ein paar kleine aber feine Unterschiede aufweist, müssen auch hier Kompromisse geschlossen werden. Die rosa Kuschelkissen und die Stofftiere aus vergangenen Zeiten sollten vielleicht ebenso aussortiert werden, wie die alten Fanschals oder die Playboy-Poster. Oft beginnen an dieser Stelle schon die Probleme, aber damit sich beide Seiten in der neuen Wohnung wohlfühlen, muss sich der Einrichtungsstil irgendwo zwischen Minimalistik und Funktionalität und verschnörkeltem Mädchentraum bewegen. Eine andere Lösung wäre, dass jeder ein Zimmer hat, um seine ganz persönlichen Wohnträume in die Tat umzusetzen.
Der Alltag
Ist das neue Heim dann erst einmal eingerichtet, kann das frisch verliebte Paar die eigenen vier Wände in vollen Zügen genießen. Der Traum vom gemeinsamen Aufwachen und Einschlafen ist endlich wahr geworden. Aber eigentlich geht die ganze Arbeit jetzt erst richtig los! Beide Partner müssen nun den alltäglichen Wahnsinn miteinander meistern. Das ist wohl eine der schwersten Prüfungen für ein junges Paar. Beide Persönlichkeiten wollen ihre Interessen nicht hinten anstellen und zwei unterschiedliche Lebensweisen treffen aufeinander. Diese Situation erfordert viel Geduld und Feingefühl für den Partner. Bevor man sich eine Wohnung teilte, fielen die kleinen Macken des Partners nicht so ins Gewicht. Nun erlebt man sich jedoch von morgens bis abends, ohne sich eine Auszeit nehmen zu können und in die eigene Wohnung zu flüchten. Denn dass er ständig die Zahnpastatube offen rumliegen lässt, nervt sie gewaltig. Außerdem könnte er für seine getragenen Shorts ruhig mal die Wäschebox benutzen, und wenn er nicht endlich auch mal abwäscht, zahlt er den Geschirrspüler! Als er ihren Hornhautschaber in der Kulturtasche entdeckte, saß der Schock schon ziemlich tief. Und dass das Bad immer so lange blockiert ist, hätte er sich auch nicht träumen lassen!
Kompromisse eingehen
Damit aus dem gemeinsamen Wohnungstraum kein Alptraum wird, ist es wichtig, den Anderen so wenig wie möglich einzuschränken und nicht zu versuchen ihn zu erziehen. Es ist ziemlich selten, dass die Lebensgewohnheiten zweier frisch Verliebter sich so ähnlich sind, dass es in einer gemeinsamen Wohnung keiner Umstellung bedarf. Aber wenn man ein wenig auf seinen Partner zugeht und selbst ein paar Abstriche macht, gewöhnt man sich schnell an den neuen gemeinsamen Alltag und kann ihn auch problemlos bewältigen. Natürlich haben beide Partner ihre Macken, aber das hätte man sich vorher eigentlich denken können. Wenn es bei diesen Kleinigkeiten bleibt, reden Sie mit Ihrem Partner darüber oder sehen Sie einfach mal ganz großzügig darüber hinweg. Der Mensch kann sich schließlich an so einiges gewöhnen …
Wenn Sie nach einem halben Jahr in der gemeinsamen Wohnung immer noch nicht schreiend davongelaufen sind, ist Ihre Beziehung auf einem guten Weg. Denn nur 25 Prozent alles Paare, die in eine gemeinsame Wohnung gezogen sind, trennen sich auch wieder.




