Gleich und gleich gesellt sich wirklich gern

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ – so sagt das Sprichwort. Und tatsächlich lernen wir meist Menschen kennen, die uns in irgendeiner Weise ähnlich sind. Doch wird dadurch auch eine Beziehung glücklicher?
Ähnliche Charakterzüge wirken attraktiv
Und es stimmt doch: durch offensichtliche Gemeinsamkeiten, wie ähnliche Lebensumstände, Religion, gleiche Werte und Gewohnheiten, lernen sich Menschen schneller und häufiger kennen. Schließlich bewegt man sich ja auch in ähnlichen wie Uni, Arbeit oder Sportverein. Aber das ist noch nicht der Schlüssel zu einer guten Beziehung. Solche oberflächlichen Merkmale bringen Menschen zwar häufiger zusammen, sind aber noch lange kein Garant für eine funktionierende Partnerschaft. Ein US-amerikanisches Forscherteam hat 290 verheiratete Paare befragt und dabei herausgefunden, dass all diese Faktoren beim Kennenlernen eine wichtige Rolle spielen, nicht aber für die spätere Beziehung oder Ehe. Auch zwei Wissenschaftler aus Deutschland untersuchten 7000 Paare im Alter zwischen 18 und 95 Jahren. Die Ergebnisse sind erstaunlich:
Durch viele charakterliche Übereinstimmungen könnten die Paare ihre Problem und Aufgaben im Alltag besser meistern. Bleibt es bei einem Paar jedoch bei den oberflächlichen Übereinstimmungen, sagt das nichts über eine größere Chance für einen positiven Verlauf ihrer Beziehung aus. Demnach sei es unerlässlich, seinen Partner besser kennenzulernen. Dann bleibt die Tendenz bestehen: wenn Partner nach einer Weile in ihrer Beziehung merken, dass sie sich in Eigenschaften wie Risikobereitschaft, Kreativität, Offenheit, Friedfertigkeit oder Gewissenhaftigkeit ähneln, wirken sie noch anziehender aufeinander. Und diese Eigenschaften lassen sich nicht auf den ersten Blick feststellen. Soll die Beziehung lange halten, sollte man auf Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Ausgeglichenheit und Streitsüchtigkeit achten. So werden ein sehr ordentlicher und pünktlicher Mensch und ein Chaot und notorischer Zuspätkommer wohl kaum miteinander auskommen. Zwei Pedanten und zwei Egoisten könnten jedoch glücklich miteinander werden. Bei anderen Eigenschaften dagegen ist eine zu große Ähnlichkeit eher hinderlich: zwei Vielredner lassen sich vielleicht nie zu Wort kommen.
Einige sind der Ansicht, dass dies daran liege, dass man sich im Laufe der Zeit immer ähnlicher wird, aber dem stellen die Wissenschaftler entgegen, dass die Persönlichkeit ein sehr stabiler Faktor ist. Die anderen Paare mit nicht übereinstimmenden Eigenschaften hatten sich in der Zwischenzeit schon getrennt.
Äußere Ähnlichkeiten unwichtig
Auch eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass man sich seinen Lebenspartner nicht nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ aussucht und auch nicht den besten Genen, wie man oft hört. Auch das Aussehen und die Körpergröße scheinen keine Rolle zu spielen. Die Partnerwahl verläuft zum größten Teil unbewusst. Die äußerlichen Ähnlichkeiten wirken bei der Partnersuche nicht attraktiv, auch wenn man oft Paare trifft, die sich wie Geschwister ähneln. Ähnliche Gesichtszüge wirken nur beim gleichen Geschlecht anziehend, z.B. bei Freundschaften. Dies schließen Forscher daraus, dass Ähnlichkeit auf potenzielle Verwandtschaft hinweist und diese für soziale Bindungen erwünscht ist, für die Partnerwahl aber ausschließt. Andererseits suchen Frauen sich oft einen Mann, der im Aussehen und Charakter ihrem Vater ähnlich sind, Männer eine Frau wie ihre Mutter.
Gegensätze ziehen sich (manchmal) an
Andererseits trifft man immer wieder auf Paare, die trotz vermeintlicher äußerer oder gesellschaftlicher Gegensätze sehr lange zusammen sind. Sonst gäbe es z.B. wohl nicht so viele Multikulti-Beziehungen und Paare mit großem Altersunterschied. Bei genauerem Hinsehen haben diese aber trotzdem viele charakterliche Gemeinsamkeiten. Besonders beim Kennenlernen wirken Gegensätze attraktiv, eben „anders“, bei einer längeren Beziehung muss sich dann herausstellen, inwieweit diese störend sind. Eigenschaften, auf die man vorher nicht geachtet hat, können im Zusammenleben nerven und man kann den Partner nun mal nicht verändern. Gegensätze ziehen sich manchmal eben doch an, und in manchen Dingen kann man sich gut ergänzen, z.B. der eine repariert das Auto und der andere schreibt die Steuererklärung. Generell kann man sagen: ein paar Gegensätze machen interessant, aber die Gemeinsamkeiten sollten immer überwiegen. Daher sollte man sich selbst sehr gut kennen und dann den Partner auf die Übereinstimmungen und Unstimmigkeiten abklopfen. Kommt man zu dem Ergebnis, dass es zu viele sind, sollte man überlegen, wie man daran arbeiten und eine Lösung finden kann. Den Charakter kann man aber nicht ändern und daher muss man wissen, ob man damit leben kann oder nicht. Die Liebe auf den ersten Blick sollte also auf den zweiten gut überlegt sein.
Also bleibt es dabei: der Traumpartner muss nicht gebacken werden, aber 10 Minuten Kennenlernen reicht eben auch nicht aus. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet…"




