Multikulti-Beziehung

Ein Auslandssemester, erwachsen werden im multikulturellen Umfeld, Reisen, Internet oder die Green-Card – all diese Dinge vernetzen Menschen auf der ganzen Welt. Begegnungen verschiedener Kulturen, Hautfarben oder Nationalitäten gehören zu unserem Alltag. Und so auch multikulturelle Beziehungen, denn die Liebe bleibt dabei nicht aus.
Jede sechste Ehe in Deutschland ist binational
Eine Multikulti-Beziehung ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Kulturen. Eine binationale Ehe bezeichnet eine Ehe, bei denen die Partner eine verschiedene Staatsangehörigkeit besitzen. Bikulturell bedeutet, dass sie aus zwei verschiedenen Kulturkreisen stammen. So ist eine Ehe zwischen einer Deutschen und einem Österreicher zwar binational, aber nicht unbedingt bikulturell, während ein Chinese und eine Italienerin mit deutschem Pass die gleiche Nationalität, aber nicht die gleiche Muttersprache und Kultur haben.
20% der Bevölkerung in Deutschland haben bereits Wurzeln aus einer anderen Kultur. Man ist also im Alltag ständig damit konfrontiert und es passiert oft, dass man sich kennen- und lieben lernt. Aber solche Beziehungen werden nicht selten angeprangert. Oft wird in Frage gestellt, ob Einflüsse aus verschiedenen Kulturen oder Religionen die richtige Mixtur zu einer guten Beziehung sind? Auch liegt der Verdacht einer Scheinehe stets nahe. Eine allgemeingültige Antwort zu geben, wäre vermessen. Aber die Zahlen sprechen Bände: bei jeder sechsten in Deutschland geschlossenen Ehe kommt einer der Partner aus dem Ausland. In Berlin ist sogar jede vierte Ehe binational. Dies liegt sicherlich daran, dass die Hauptstadt international ausgerichtet ist und dort Menschen aus aller Welt leben. Dabei bevorzugen nach der Statistik die deutschen Männer Osteuropäerinnen und Asiatinnen, während die Frauen auf Männer aus dem Balkan, der Türkei oder Afrika stehen.
Binationale Ehen werden nicht öfter geschieden
Die Behauptung, dass solche Ehen schneller geschieden werden, bleibt ein Vorurteil. Als Gegenargument kann man anbringen, dass in Deutschland jede 3. Ehe geschieden wird und das kann ja nicht an der unterschiedlichen Kultur liegen. Die Anforderungen des Alltags holen solche Paare zwar genauso schnell ein, aber die Bereitschaft, sich auf eine andere Kultur einzulassen, mache diese Ehen flexibler und anpassungsfähiger, so Edith Kresta, Autorin der Studie „Man lebt zweimal. Bikulturelle Ehen und Familien in Berlin.“ Man kann die Beziehung als Gewinn ansehen, denn wann hat man schon die Möglichkeit, ein anderes Land und eine andere Kultur so intensiv kennenzulernen? Und die Kinder haben den Vorteil, zwei- oder mehrsprachig aufzuwachsen und automatisch „interkulturelle Kompetenz“ zu bekommen, was in der heutigen Zeit ein Pluspunkt für die Zukunft ist. Und wenn alle von Globalisierung und Integration sprechen, leben diese Menschen all dies schon im Kleinen in der Familie.
Tipps für Multikulti-Paare
Vorurteile über Multikulti-Beziehungen gibt es in der Gesellschaft, aber vor allen von Seiten der Familie und Freunde. Probleme gibt es meist mit den Eltern der Paare: Sie befürchten, dass die Ehe nicht halten könnte und haben oft unbegründete Vorurteile. So gibt es in Deutschland z.B. doch oft noch Vorbehalte gegenüber der größten Migrantengruppe. Aber nicht nur die deutschen, auch die ausländischen Eltern können Druck machen, besonders wenn sie aus einem Kulturkreis stammen, der Wert auf Tradition und Familie legt. Selbst bei nicht streng religiösen Familien wünschen Sie sich doch eine Schwiegertochter oder einen Schwiegersohn aus den eigenen Reihen. Meist sind – auf beiden Seiten – die Väter der Frauen skeptisch, weil sie sich um die Zukunft ihrer Tochter sorgen, während den Männern mehr zugestanden wird. Wichtig ist, zu seiner Liebe zu stehen und dies auch vor den Eltern zu vermitteln. Man liebt den Partner so wie er ist, mit seiner Kultur. Wenn sie den Partner selbst kennen lernen, verfliegen die meisten Vorurteile oft von allein. Man sollte sich auch über die Wertvorstellungen der zukünftigen Schwiegereltern erkundigen und darauf Rücksicht nehmen. Im schlimmsten Fall kann ein vorläufiger Bruch mit der Familie die einzige Lösung sein.
Soll der Weg dann in den Bund der Ehe gehen, steht meistens ein Papierkrieg bevor. Besonders wenn ein Partner aus dem nicht-europäischen Ausland stammt, ist die Beschaffung und Übersetzung der nötigen Unterlagen oft eine bürokratische Hürde. Noch schlimmer wird es im Fall einer Scheidung. Auch wenn dies nicht sehr romantisch erscheinen mag, raten Notare in solchen Fällen zu einem Ehevertrag, damit man für alles abgesichert ist. Darin kann z.B. auch das Sorgerecht für die Kinder nach deutschem Gesetz festgehalten werden. Bei bireligiösen Ehen ist zu bedenken, in welcher Religion die Kinder aufwachsen sollen und wie das Familienleben gehandhabt werden soll, z.B. bei religiösen Festen.
Offenheit, Toleranz und Neugier spielen also in Multikulti-Beziehungen eine große Rolle und die Einstellung, dass ein Scheitern solcher Beziehungen vorprogrammiert ist, gilt in Zeiten der Globalisierung als hoffnungslos veraltet. Wenn man sie richtig angeht, kann sie für alle Seiten ein Gewinn sein.




