Studie zur Religiosität

Glaube als Prestigeobjekt?

 

Berlin, 30.10.2012 – Neue Studienergebnisse eines Forscherteams um die Online-Partnervermittlung eDarling rütteln an theologischen Grundfesten. Gemäß der Studie orientieren sich religiöse Menschen nicht in allen Kulturen stärker am Gemeinsinn, zwischenmenschlicher Harmonie und Moral. In weniger christlich geprägten Gesellschaften wie Deutschland bekennen sich vor allem Individualisten öffentlich zum Glauben. Menschen befriedigen demnach abhängig vom kulturellen Umfeld mit der Religion unterschiedliche psychologische Bedürfnisse, vermuten die Wissenschaftler.
 

Das Forschernetzwerk der Online-Partnervermittlung eDarling untersuchte den Einfluss der Persönlichkeit auf die Religiosität von Menschen. Hierfür analysierten die Wissenschaftler 187.957 anonymisierte eDarling-Datensätze aus elf Ländern. „Das Ergebnis stellt die herrschende theologische Lehrmeinung infrage, dass der Glaube nicht egoistisch motiviert sein darf“, so die Psychologin Dr. Neberich, Co-Autorin der Studie.

In religiös geprägten Ländern wie der Türkei, Polen oder Russland sind am Gemeinsinn orientierte Menschen religiöser als individualistisch Motivierte. Dieses Ergebnis stimmt mit bisherigen Befunden amerikanischer Studien und den Forderungen der Weltreligionen überein. Überraschend ist, dass sich in säkularen Gesellschaften, wie Schweden, Deutschland und Frankreich ein gegensätzliches Muster zeigt: Hier sind die Individualisten religiöser als die Gemeinschaftsorientierten.

Bislang ist die Annahme der Religionspsychologie, dass Menschen, die stärker nach Abgrenzung, Unabhängigkeit und Individualismus streben, generell wenig Interesse an Religiosität entwickeln. Neberich stellt fest: „Die Studie legt nahe, dass Religiosität auch von selbstdienlichen Motiven wie Selbstverwirklichung und -aufwertung, soziale Identität oder Gruppenzugehörigkeit motiviert sein könnte.“

Die Studie wurde vom eDarling-Forschernetzwerk Dr. Jochen Gebauer, Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Delroy Paulhus, University of British Columbia in Kanada und Dr. Wiebke Neberich von eDarling durchgeführt und zur Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal „Social Psychological and Personality Science“ akzeptiert. Im vergangenen Jahr hatte das Team bereits den Zusammenhang vom Glauben und Kultur untersucht.

Referenz:
Gebauer, J. E., Paulhus, D., & Neberich, W. (2012). Big Two Personality and Religiosity Across Cultures: Communals as Religious Conformists and Agentics as Religious Contrarians. Paper accepted for publication in Social Psychological and Personality Science.