von Tasja Bäuerle
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So unterscheiden sich Mann und Frau bei der Online-Partnersuche

Schadi Neumann: Gewinnerin des John-Houghton-Stipendiums
Verfolgen Männer und Frauen unterschiedliche Intentionen bei der Online-Partnersuche? Mit dieser Frage beschäftigt sich Stipendiatin und Soziologieabsolventin Schadi Neumann. Im Interview berichtet sie über ihre bisherigen Erkenntnisse.

 

Haben Sie sich bereits vor Ihrer Bachelorarbeit mit dem Titel „Online Partnersuche – der Unterschied zwischen Frau und Mann“ mit der Thematik der Online-Partnersuche beschäftigt?

Ja, insbesondere habe ich mich mit Pseudonymen angemeldet und die psychologischen Tests beantwortet, die viele Partnervermittlungsseiten anbieten, um herauszufinden welche Partnervorschläge mir unterbreitet werden. Außerdem habe ich in meinem Studium sehr gerne Artikel und Bücher zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in Zusammenhang mit der Partnersuche im Allgemeinen gelesen.

Es ist faszinierend, welche Theorien und Erkenntnisse es hierzu gab und nach wie vor gibt.

 

Was hat Sie dazu inspiriert, sich in Form einer Abschlussarbeit wissenschaftlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Ich wollte den Theorien auf den Grund gehen und selbst herausfinden, ob die Behauptungen wahr sind und/oder eventuell veraltet und auf die heutige Generation nicht mehr zutreffen. Sind Männer wirklich nur oder überwiegend durch äußerliche Faktoren zu beeindrucken? Und suchen Frauen wirklich nach dem Beschützer, der für das ausreichende Haushaltseinkommen sorgt? Diese Fragen haben mich beschäftigt, sodass ich mich wissenschaftlich mit ihnen auseinandersetzen wollte.

Außerdem ist die Partnersuche über das Medium Internet an sich für mich schon ein spannendes Thema. Was bewirkt die Anonymität bei den Beteiligten? Sind sie eher bereit unter dem Schutz des Internets mehr von sich preiszugeben, werden sie gar leichtsinnig? Oder kann man auf Grundlage eines Kennenlernens im Internet erst gar keine ernsthafte Beziehung gründen, weil man sich gar nicht „richtig“ kennt?

 

Sie haben sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, aufgrund welcher Motive Mann und Frau jeweils online auf Partnersuche gehen. Zu welchen Ergebnissen bezüglich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind Sie bisher gekommen?

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Online-Partnersuche keineswegs nur von Männern und Frauen genutzt wird, die schüchtern sind oder gar unattraktiv wirken, wie zuvor angenommen. Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Partnersuche von Personen jeden Charakters und unabhängig von ihrer Attraktivität genutzt wird. Männer sind, anders als vorher angenommen, nicht überwiegend auf der Suche nach „einer schnellen Nummer“. Bei online suchenden Männern handelt es sich überwiegend um solche, die etwas Ernsthaftes suchen. Insbesondere, wenn sie bereit sind für die Suche eine Vermittlungsgebühr zu zahlen.

Außerdem kam ich bei meiner Recherche zu dem Ergebnis, dass durchaus auch junge Frauen online auf der Suche nach ihrem Partner sind, auch wenn es ihnen offline nicht an Angeboten mangelt. Das Motiv ist meist, dass sie sich aufgrund der psychologischen Matching-Tests eine höhere Chance ausmalen auf wissenschaftlichem Wege einen passenden Partner zu finden.

 

Können Sie uns anschauliche Beispiele nennen?

Als anschauliches Beispiel kann ich hierbei die Motivation meiner Interviewpartner nennen. Ich habe eine Frau und einen Mann über einen Zeitraum von einem Jahr bei der Online-Partnersuche bei eDarling begleitet und hierbei auch die Motivation der beiden hinterfragt.

Sie war zu dem Zeitpunkt 28 Jahre alt, Studentin und attraktiv. Es mangelte ihr nicht an „Offline-Angeboten“. Ihr Motiv war es hauptsächlich „den Richtigen“ zu finden. Einer, der ernsthafte Absichten hat und sie kennenlernen will. Sie hatte sich durch die Online-Partnersuche eine höhere Auswahlmöglichkeit bzw. eine aufgrund der psychologischen Tests besser passende Auswahl erhofft.

Er war zu dem Zeitpunkt 34 Jahre alt, befand sich in einer beruflichen Weiterbildung und galt bei seinen Freunden als offen und extrovertiert. Er hatte ebenso Offline-Angebote, die ihm aber nicht ernstgemeint erschienen. Seine Motivation rührte aus dem Wunsch seine Auswahl zu erhöhen, sodass er eine interessante und zugleich attraktive Frau findet, die vor allem ihn auch attraktiv findet und entsprechend „anhimmelt“.

 

Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten konnten Sie bezüglich der Erwartungen, der Selbstdarstellung und des allgemeinen Suchverhaltens feststellen?

Die Erwartungen waren auf beiden Seiten hoch. Beide wünschten sich einen langjährigen Partner/eine langjährige Partnerin zu finden. Dabei war für beide auch die Attraktivität des vorgeschlagenen Matches wichtig. Wobei dieser Faktor für ihn wichtiger zu sein schien, als für sie.

Bezüglich der Selbstdarstellung waren beide sehr wahrheitsgetreu, wobei ihr Profil ausführlichere Informationen freigab.

Das Suchverhalten der beiden war unterschiedlich, was in erster Linie dadurch bedingt war, dass sie am Tag mehrere Nachrichten von potenziell in Frage kommenden Partnern bekommen hat und er zwar viele Nachrichten geschrieben, aber nur sehr vereinzelt Antwortnachrichten erhalten hat.

Bei beiden gab es wiederum die Phasen, in denen gar nicht mehr gesucht wurde, entweder wegen Zeitmangels oder Hoffnungsverlust, dass es noch klappt mit dem Finden eines Partners.

 

Sind Sie persönlich der Meinung, dass Online-Partnervermittlungen die Partnersuche erleichtern? Wenn ja, für welchen Single-Typ und warum?

Ich bin der Ansicht, dass eine Online-Partnervermittlung durchaus die Partnersuche erleichtern kann. Zumindest bietet sie ein Medium, mit dessen Hilfe Kontakte hergestellt werden können, um das Ziel – eine möglichst lange oder sogar unbefristete Beziehung – zu erreichen. Zudem bin ich der Meinung, dass die Online-Partnersuche für jeden Single-Typ geeignet ist, da es eine Erweiterung der zur Auswahl stehenden Möglichkeiten bietet. Auf der Suche nach dem passenden Partner ist das sicher hilfreich.

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Neumann.

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