von eDarling Redaktion
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Interview mit Stefanie Hanssen: "Man kann sehr viel Sympathie durch einen Duft transportieren."

Geruch bei der PArtnerwahl: Stefanie Hanssen im Gespräch
Ein Geruch aus der Vergangenheit kann uns schlagartig in diese Zeit zurückversetzen. Das Parfum der ersten Liebe kommt uns auch noch nach Jahren vertraut vor. Doch welche Rolle spielt der Geruch bei der Partnerwahl? Zu welchem Parfum sollte Mann oder Frau beim ersten Date greifen? Stefanie Hanssen, Inhaberin der Parfum-Manufaktur FRAU TONIS PARFUM, geht diesen Fragen im folgenden Interview auf den Grund.

 

Frau Hanssen, erzählen Sie uns bitte, wie Sie zu Ihrem Beruf gekommen sind.

Das Geschäft ist eine Hommage an meine Großmutter Frau Toni. Sie hatte beruflich nichts mit Parfum zu tun, aber ein unglaublich gutes Gespür für schöne Dinge.

Beispielsweise ließ sie sich ihre Kleider schneidern, sie liebte schon immer schöne Düfte und wusste, wie ein Schuh zu sitzen hat. Das hat mich immer sehr beeindruckt.

Mittlerweile ist sie 83 Jahre alt. Als sie zum ersten Mal den Shop sah und die Aura der Düfte wahrnahm, hatte sie Tränen in den Augen, so schön fand sie es.

Welche Rolle spielt der Geruch bei der Partnerwahl?

Angenommen, man findet einen Mann oder eine Frau eigentlich sexuell attraktiv, mag aber seinen oder ihren Körpergeruch nicht. Die Frage ist: Kann Parfum helfen? – Nein. Ob man sich „riechen“ kann, hat biologisch gesehen mit der Suche nach einem Partner zu tun, dessen Immunsystem das eigene perfekt ergänzt, damit die Nachkommen das bestmögliche Immunsystem bekommen. Das passiert unbewusst.

Welches Parfum wählt Mann bzw. Frau am besten zum ersten Date?

Das ist sicher davon abhängig, zu welcher Tageszeit man sein erstes Date hat. Frauen wollen am Abend sexy, verführerisch, tiefgründig wirken. Tagsüber sportlich, nicht aufdringlich und dennoch die ganze Zeit präsent. Deswegen haben die meisten auch mehrere Düfte.

Männer wählen meistens ihren Lieblingsduft – völlig unabhängig davon, in welche Richtung der Duft tendiert. Wir empfehlen Düfte, die simpel konzipiert sind, aber einen hohen Wiedererkennungswert haben. Das Eau de Parfum „Tulpe“ ist so ein Duft, der den meisten nicht mehr aus dem Kopf geht.

Worauf achten Ihre Mitarbeiter, wenn sie ein individuelles Parfum kreieren?

Wir haben ein schlichtes Prinzip: Wir reden mit unseren Kunden. Es gibt kein optisches „Abscannen“ einer Person, die bei uns einen individuellen Duft wünscht.

Menschen können bis zu 10.000 Gerüche wahrnehmen – aber ihnen fehlen die Worte. Deshalb arbeiten wir mit Assoziationen. Neulich sagte jemand zum Parfum „Weißer Blütenzauber“: Das ist Spätsommer! Wir wären fast in die Knie gegangen. Genau das ist es – ganz intensiv, überblüht, kompakt, und so riecht die Stadt im August.

Wenn man sich den Vorlieben eines Kunden auf diese Weise nähern kann, dann ist es leicht, eine neue Komposition aus einzelnen Parfums zu erschaffen. Es ist im Prinzip ein Frage-und-Antwort-Spiel. Wir assistieren. Und wissen, welche Kombinationen funktionieren.

Wie muss ein gutes Parfum beschaffen sein?

Was ein gutes Parfum ausmacht, sind runde Übergänge zwischen Kopfnote, Herznote und Basis. Wie beim Wein, gibt es auch beim Duft einfachere und kreativere Kompositionen. Zum Beispiel kann ein Wein nach Johannisbeere schmecken. Fertig. Er kann aber auch roten, schwarzen, grünen und weißen Pfeffer drin haben.

Parfumherstellung ist eine Kunst, und so muss man sie auch feiern. Bei uns sollen Düfte so pur wie möglich zur Geltung kommen. Sie heißen zum Beispiel „nur“ Tulpe, Feige, Roter Mohn oder Orange – ihre Perfektion, ihre Schlichtheit besteht aber in Wahrheit aus bis zu 200 Einzelkomponenten. Das ist das Manufaktur-Geheimnis hinter ihrem Erfolg.

Gibt es so etwas wie Dufttrends?

Wir würden das eher jahreszeitlich sehen. Im Frühling möchten die Leute einen Blütenduft, wie zum Beispiel das Rosen-Kräuter-Gewächs Reseda.

Jeden Monat kommen weltweit neue Parfums auf den Markt, viele verschwinden wieder. Der Markt ist gesättigt. Meistens braucht man viel Marketing, um da noch große Erfolge zu feiern.

FRAU TONIS PARFUM ist unsere Antwort auf diese Entwicklung. Wir wollten eben nicht den neuen Claudia Schiffer- oder Victoria Beckham-Duft. Bei uns sollen Düfte so pur wie möglich zur Geltung kommen. Große Handwerkskunst zu moderaten Preisen. Bei uns kauft der Kunde den Duft, nicht das Marketing.

Welcher Duft passt zu wem?

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die eigene Haut spielt eine ganz wichtige Rolle. Man muss ein Parfum auftragen und wirken lassen, bevor man es kauft.

Zu uns sollte man auch immer etwas Zeit mitbringen. Am Ende kennen wir unsere Kunden ziemlich gut und haben genau herausgefunden, was zu wem passt. Wir tasten uns sozusagen an sämtliche Vorlieben heran …

Was riechen Sie denn am liebsten?

Man kann sehr viel Sympathie durch einen Duft transportieren. Ich habe mich spontan für „Pure Orange“ entschieden. Das hilft gegen Winterdepressionen. Gerade hier in Berlin wird uns der schwere, graue Himmel noch bis März erhalten bleiben. Durch mein Orangen-Parfum bin ich mit wildfremden Menschen ins Gespräch gekommen. Das kommt nicht nur bei mir gut an, sondern auch in meiner Umgebung.

Mehr Informationen zu FRAU TONIS PARFUM erhalten Sie unter www.frau-tonis-parfum.com.
FRAU TONIS PARFUM, Zimmerstraße 13, 10969 Berlin, Tel.: 0049 (0) 30 20 21 53 10, E-Mail: post@frau-tonis-parfum.com

Dieses Interview wurde schriftlich durchgeführt.

Sie wollen mehr über Sympathie, besonders beim Rendezvous, erfahren? Lesen Sie hier, wie magische Momente entstehen.

Sie haben Fragen? Dann schreiben Sie an redaktion@edarling.de

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