von eDarling Redaktion
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„Liebe ist eine besondere Form von Geisteskrankheit“

Sven Görtz
Liebe folgt keinen Regeln und lässt uns völlig verrückte Dinge tun. Zwei Menschen treffen sich und plötzlich können beide ohne den Anderen – vor kurzem noch völlig Fremden – nicht mehr leben. Mit dem faszinierenden Thema Liebe hat sich der Kabarettist und Autor Sven Görtz in seinem neuen Buch „Liebe ist eine besondere Form von Geisteskrankheit“ befasst. Er kommt zu dem Schluss: "Vielleicht ist die Liebe genau die Art von Wahnsinn, die wir in unserer durchorganisierten Welt brauchen." Mit eDarling sprach Sven Görtz über die „Krankheit“ Liebe und was sie mit uns Menschen anstellt.

Herr Görtz, Bücher über die Liebe gibt es unzählige. Was hat Sie bewogen auch eines zu schreiben?

Ich habe mich gefragt: Was gibt es wirklich Wichtiges im Leben eines Menschen? Der erste Schultag? Der erste Arbeitstag als Erwachsener? Zugegeben, das sind wichtige Ereignisse, aber packen sie uns wirklich mit Haut und Haaren, sozusagen in der Tiefe unseres Herzens?

Ich glaube nicht. Doch die Liebe kann es! Wenn sie uns ergreift - heute, morgen, nächste Woche, von einem Augenblick auf den anderen - dann ist dies nichts weniger als ein persönliches Weltereignis – über dieses Feuer, diese Macht zu schreiben, finde ich immer wieder unwiderstehlich.

 

Ihr Buch hat den Titel „Liebe ist eine besondere Form von Geisteskrankheit“. Eine provokante Aussage. Was meinen Sie damit?

Liebe ist das Gegenteil des Normalen. Liebe ist verrückt und lässt uns irre Dinge tun – sie ist der Wahnwitz der Gefühle! Der Blutdruck steigt, wir sind auf Dauerstrom geschaltet. Wir schlafen wenig, essen kaum, trinken zu viel; strapazieren Stimme und Gehör in endlosen Dauergesprächen. Aus ärztlicher Sicht stehen wir kurz vor einem Kollaps! Doch sind wir in diesem Zustand so glücklich wie selten zuvor.

 

Liebe ist schwer zu definieren. Was verstehen Sie persönlich darunter?

Liebe ist, wenn wir das Leben neu erfinden.

 

Gehören Liebe und Wahnsinn zusammen?

Schon die erste Begegnung zwischen zwei Menschen, der Moment, wenn es „funkt“, hat ja etwas absolut Verrücktes an sich. Ein Fremder trifft eine Fremde, die er nie zuvor gesehen hat, und von einem Augenblick auf den anderen überfällt ihn der Wahn, dass er ohne diesen fremden Menschen nicht mehr leben kann.

Jahre seines Lebens ist er prächtig ohne sie ausgekommen, doch die Glorie des Augenblicks, in dem die Liebe entfesselt wird, verändert alles – plötzlich wird jede Minute der Trennung von dem geliebten anderen zum bittersten Exil. So kommen, durch den Wahn der Liebe verführt, teilweise ganz unterschiedliche Menschen zusammen: Über alle Grenzen hinweg, sei es der Länder, Kulturen, Religionen oder Wirtschaftsordnungen - also, wenn das nicht irre ist, dann weiß ich es auch nicht!

 

Was macht die Liebe mit uns Menschen?

Die Liebe verwandelt uns und schenkt uns Möglichkeiten. Der Schweigsame kann durch sie beredt werden, der Schüchterne kühn. Das graue Mäuschen nimmt Farbe an und die ewige Quasselstrippe beginnt plötzlich zuzuhören. Die Liebe zeigt uns, was alles in uns steckt. Sie kann Teile von uns offenbaren, von denen wir  gar nicht wussten, dass wir sie besitzen. Überdies öffnet Liebe den Blick dafür, was an einem anderen Menschen liebenswert ist. Wer nur mürrisch vor sich hin lebt, der sieht auch in anderen Menschen ausschließlich Muffel und Miesepeter.

 

Kann man Liebende von Ihrer „Krankheit“ kurieren?

In diesem Falle ist die „Krankheit“ der „Genesung“ vorzuziehen!

 

Gibt es Menschen, die nicht anfällig sind für die „Geisteskrankheit Liebe“?

Es gibt alle Sorten Menschen, das darf uns nicht wundern. Ich kenne Menschen, die lassen augenblicklich ihre Rollos herunter, wenn der Sonnenschein im Garten sie zu blenden droht. Ich kenne Menschen, die haben angesichts der ersten warmen Frühlingswogen nichts Eiligeres zu tun, als die Klimaanlage auf 19 Grad Celsius herunter zu regeln.

So gibt es auch Menschen, die ihr Herz vor der Liebe verschließen, weil sie meinen, die Launen, die Schrullen, die wunderbaren Verrücktheiten der Liebe könnten ihrem Ansehen schaden oder ihnen in beruflicher Hinsicht nachteilig sein. Doch lieben heißt, die Abenteuer der Liebe mit Herz und Seele eingehen wollen! Dazu ist freilich nicht jeder bereit.

 

Man ist selbst gerade nicht verliebt, aber umgeben von glücklichen Paaren. Eine schwierige Situation. Wie geht man am besten damit um?

Es gilt hier wie überall: Nicht lange mit dem Schicksal hadern, sondern das Schicksal selbst in die Hand nehmen! Wer sich verlieben will, wer Lust auf ein Wagnis hat, der muss natürlich ein paar Dinge beachten. Man sollte sich nicht zuhause einigeln, weil die Wahrscheinlichkeit, dass einen in den eigenen vier Wänden Massen von Interessenten überfallen, recht gering ist. Nein, wir müssen die Orte aufsuchen, wo man Menschen treffen kann.

Ich habe in meinem Buch einige klassische und auch etwas ausgefallene Orte zum Kennenlernen oder für ein erstes Rendezvous näher beschrieben: Vom Restaurant bis zum Volksfest, von der Party bis zur Sauna (zugegeben: das Rendezvous der nackten Tatsachen ist nur eine Empfehlung für Menschen, die mit einem unerschütterlichen Vertrauen in die eigenen Reize ausgestattet sind!) Doch was immer wir tun, wir dürfen nicht vergessen: Wir haben es immer selbst in der Hand – oder auf dem Fuß! Entweder wir tun selbst den ersten Schritt. Oder, wenn ein anderer ihn tut, ist es an uns, dem ersten Schritt lächelnd entgegen zu gehen.

 

Eine Hör- und Leseprobe des Buches sowie weitere Informationen finden Sie unter svengoertz.com oder besuchen Sie Sven Görtz bei Facebook.


Dieses Interview wurde schriftlich durchgeführt.

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Kommentare

Mir gefällt ihr Artikel sehr gut. Der Zustand, den sie beschreiben, herrscht bei mir auch gerade seit 5 Monaten - etwas gebremst, weil sich der Gegenpart wieder etwas zurückzog. Aber trotzdem: Ich fühle mich sehr belebt, erneuert, fröhlich... Die allzugroße Sehnsucht versuche ich irgendwo zu beherrschen... Viele Kontakte laufen per Internet. Vorsichtig halt, gebranntes Kind scheut das Feuer. LG Eva

ja, es stimmt. Und es ist wunderbar und schlimm, wenn der Kummer kommt. In jedem Lebensalter. "Alter schützt vor Liebe nicht, aber Lieber vor dem Altern". Coco Chanel.