Mikrozensus 2011 zählt mehr Alleinlebende

Sind wir auf dem Weg zur Singlegesellschaft?

 

Berlin, 11.07.2012 – Heute veröffentlichte das statistische Bundesamt die Ergebnisse des Mikrozensus 2011 und stellt einen Anstieg Alleinlebender in Deutschland fest. Im Vergleich zu 1991 gab es im Jahr 2011 2 Mio. mehr Menschen, die in einem Haushalt alleine leben. Prozentual ausgedrückt ist dies ein Anstieg von 14% auf 20% im Laufe von 20 Jahren. Diese Ergebnisse deuten nicht zwangsläufig darauf hin, dass die Zahl der Singles gestiegen ist, denn die Wohnsituation spiegelt nicht 1:1 den Beziehungsstatus wider. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass zunehmende berufliche Mobilitätsanforderungen und eine stärkere Individualisierungstendenz den Trend zu unkonventionelleren Partnerschaftsformen begünstigen.

 

Die Ergebnisse des Mikrozensus 2011 wurden am Morgen vorgestellt. Wesentliche Aussage: Die Zahl der Alleinlebenden ist stark gestiegen. Vor allem bei den Männern nahm die Zahl von 11% auf 19% im Vergleich zu 1991 zu. Bei den Frauen ist der Anstieg von 18% auf 21% moderater. Aus diesen statistischen Zahlen wird oft auf einen Trend hin zur Single-Gesellschaft geschlossen. „Hier muss aber zwischen Wohnsituation und Beziehungsstatus unterschieden werden“, betont Diplom-Psychologin Dr. Wiebke Neberich von eDarling.

 

Steigt der Anteil der Singles?

 

„Ein Anstieg von Singles ist nicht direkt aus den Ergebnissen ableitbar. Denn die Zahl der bewusst alleinlebenden Menschen, die in einer Beziehung sind, steigt stark an“, so Neberich weiter. Dieser Effekt ist besonders groß in der Altersgruppe ab 40 Jahren, wie Forscher der Humboldt-Universität Berlin feststellen konnten. Für dieses partnerschaftliche Zusammenleben in getrennten Haushalten, die oft in erreichbarer Nähe sind, wird der Begriff der LAT-Beziehungen (Living Apart Together) verwendet. Diese Form des Zusammenlebens ist demnach besonders für Single-Eltern, geschiedene oder verwitwete Menschen attraktiv. Zudem führen stetig zunehmende berufliche Mobilitätsanforderungen zu einer steigenden Zahl an Pendlerbeziehungen. Auch nehmen immer mehr Paare Fernbeziehungen für eine Zeit in Kauf, wenn sich die beruflichen Ziele beider Partner nicht an einem Ort verwirklichen lassen.

 

Positives Fazit

 

Neberich ist überzeugt: „Die Zahlen per se können nicht direkt als ein Trend hin zur Singlegesellschaft interpretiert werden, sondern spiegeln die Entwicklung einer modernen Gesellschaft wider, die mehr Raum zur individuellen partnerschaftlichen Entfaltung lässt.“

 

Der Artikel "Singles on the Rise! Bitter Reality or Urban Myth?" auf dem Forschungsblog von Dr. Neberich liefert weitergehende Informationen.