von eDarling Redaktion
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Christian Busemann: „Ein paar Hinweise auf die Post Production hätte ich schon gut gefunden.“

Christian Busemann
Christian Busemann ist Journalist, Autor und Fernsehproduzent. In seinem Buch „Papa To Go – Schnellkurs für werdende Väter“ gibt er Tipps und praktische Ratschläge, wie sich die Herren der Schöpfung am besten auf das bevorstehende Familienleben vorbereiten können. Das richtige Verhalten vor, während und nach der Geburt will schließlich auch für Männer gelernt sein. Wem lesen nicht genug ist, der kann auch den „Papa-To-go“-Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Mit eDarling spricht Christian Busemann über seine eigenen Erfahrungen als werdender Vater und die Herausforderungen, denen sich zukünftige Papas gegenüber sehen.

 

Sie haben nicht nur einen Ratgeber für werdende Väter geschrieben, sondern bieten auch „Papa To Go“-Schnellkurse an. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Projekt gekommen?

Ich habe damals, vor der Geburt meiner ersten Tochter, an einem Wochenend-Crash-Geburtsvorbereitungskurs für Paare teilgenommen. Der war interessant, hat alle objektiv wichtigen Aspekte umfasst, aber wandte sich vornehmlich an die Frau. Natürlich kam auch zur Sprache, wie Männer ihre Frauen vor und während der Geburt unterstützen können, doch fehlte mir eine Vorbereitung auf das „Danach“. Vielleicht habe ich da auch zu viel von dem Kurs verlangt, nur ein paar Hinweise auf die „Post Production“ hätte ich im Nachhinein schon gut gefunden.

Was erwartet dich eigentlich, wenn du zuhause nicht mehr ausschließlich Ensemblemitglied des Lotterleben-Pärchens bist, sondern plötzlich Papa und „Familie“ hast? Das verändert das ganze Leben. Ich finde es schlau, sich darüber im Vorfeld mal ein paar eigene Gedanken zu machen und sich subjektive Eindrücke und Erfahrungen per Seminar, Kurs oder in Gesprächen mit Vätern einzuholen. Das ist gerade für Männer meines Erachtens nach die ideale Vorbereitung, denn bei all dem Teamwork in der Schwangerschaft und während der Geburt, kommt der Vater eigentlich erst aktiv ins Spiel, wenn das Baby da ist. Solche Schlauberger-Weisheiten und ein bisschen mehr habe ich dann schließlich in eine knackige und kurzweilige Kursform gegossen.

 

Welcher Typ-Mann kommt in Ihre Kurse?

Der von seiner Frau zu diesem Kurs verdonnert wurde! Freiwillig ist die Begeisterung bei den Herren dafür anfangs eher mäßig. Und ich weiß das selbst auch noch von mir. Wir haben Bücher über Bücher über die Themen Schwangerschaft, Eltern, Vater werden, etc. geschenkt bekommen. Doch ich habe immer einen Riesenbogen darum gemacht. Ich dachte: Das wird schon: Learning by doing, eben. Das ist, glaube ich, auch so ein Männerding, wie diese T-Shirts, auf denen auf Englisch geschrieben steht: „Echte Männer brauchen keine Gebrauchsanweisung“.

Machen und gucken, was bei rauskommt. So geht es natürlich auch. Wer in den „Papa-To-Go“-Schnellkurs kommt, kann sich aber meiner Meinung nach noch mehr auf den Moment des Vaterwerdens und -seins freuen, es bewusst und aktiv genießen. Ich versuche den Teilnehmern die Furcht vor dem Vater-Sein zu nehmen und ihnen klar zu machen:  Das ist eine Herausforderung für jeden! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und immer dran denken: Du bist es Wert, ein Vater zu sein! Was leicht esoterisch klingt, ist keinesfalls ein Scherz. Ich kenne viele Männer, die unter echten Komplexen leiden, weil sie sich der Vaterrolle nicht gewachsen fühlen und deshalb total unsicher im Umgang mit dem Baby sind. Und da sind Typen dabei, die beruflich in Führungspositionen arbeiten.

 

Was genau lernen die Männer in Ihren Kursen?

Die mentale Vorbereitung auf die Vaterschaft steht bei mir im Mittelpunkt. Wickeln oder das Baby richtig halten, das zeigen einem in den ersten Tagen die Pflegepersonal-Profis, die Hebammen, Stillberaterinnen oder Kinderkrankenschwestern. Das muss ich persönlich niemandem beibringen. Nur, wenn es unbedingt sein muss. Vielmehr finde ich es wichtig, den werdenden Vater auf seine neue Rolle vorzubereiten, auf die Aufgaben, die plötzlich entstehen, auf die Unsicherheit, die man auf einem Mal verspürt, auf die bunte Palette an Gedanken und Stimmungen, die einen übermannen.

In Sachen „Verantwortung“ gibt es in meinen Augen keine größere Nummer auf dieser Welt, wie die für sein eigenes Kind. Das ist die Champions League. Und da ist es eben auch psychisch manchmal nicht so leicht, alles nur entspannt und locker zu sehen, wenn man sowohl die Kohle nach Hause holt, als auch Zeit mit seinem Kind verbringen möchte. Das ist nämlich nach wie vor bei all dem Fortschritt immer noch die verbreitete Aufteilung zuhause – sie kümmert sich ums Kind, er arbeitet. Tja, und eine Partnerschaft mit Bedürfnissen gilt es ja auch noch zu pflegen. Alles in seiner Gesamtheit unter einen Deckel zu bringen, davon erzähle ich einiges. Aber auch immer mit dem Hinweis: Hey, so war´s bei mir, so läuft`s bei den meisten ab, aber so muss es nicht bei euch sein. Das ist ja alles auch eine subjektive Kiste.

 

Wo haben werdende Väter den meisten Nachholbedarf und womit die meisten Probleme?

Ich hatte ihn definitiv im Wissen um den Geburtsvorgang als solchen. Auch, wenn ich Bio-Leistungskurs in der Schule hatte, habe ich alles, was nach der Photosynthese kam, ausgeblendet. Das Gefühl hatte ich übrigens auch bei den anderen Vätern. Ansonsten sehe ich keinen Nachholbedarf, weil Männer wie gesagt erst einmal gar keinen Bedarf für sich persönlich feststellen. Auch die Problemwelten erschließen sich den meisten erst ganz individuell nach der Geburt. Während der Schwangerschaft bekommen viele allerdings Probleme, mit ihrer Partnerin zu schlafen. Da macht die Psyche ihnen einen Strich durch die Rechnung, so a la: Mensch, da ist doch mein Kind drin und ich will jetzt da rein...nee, lieber nicht. Für Paare, die keine richtige Kommunikationskultur haben, ist das dann natürlich eher unschön. Dabei lässt sich das durchaus besprechen und aus dem Weg schaffen.  

 

Was ist während der Schwangerschaft die größte Herausforderung für Männer?

Sich den Stimmungsschwankungen der Frau ohne zu mucken gnadenlos und ganzheitlich zu unterwerfen. Das ist nicht leicht. Meine Frau zum Beispiel war eines Morgens noch dafür, dass unsere Tochter meinen Nachnamen trägt. Völlig ungefragt kam sie mit diesem Vorschlag auf mich zu. Ich empfand das als sehr niedlich und habe mich gefreut. Als ich am Abend nach Hause kam, warf sie mir aus heiterem Himmel vor, wie ich nur so abgebrüht und so egoistisch sein könnte, dass klar sei, dass das Kind mit Nachnamen „Busemann“ heißen würde. Wohl gesagt: Ich hatte das Thema überhaupt nicht angesprochen.

Am Morgen ein Engel, am Abend eine Furie. Manchmal war`s ein Horror. Aber unterm Strich ist das natürlich Pillepalle-Kram. Schwierig ist es wirklich für die Männer, deren Frauen unter starken Schwangerschaftsbeschwerden leiden. Da wird dann schon die eigentlich schöne Zeit zum Nest bauen, Planen und Träumen zu einer Belastung. 

 

Haben Sie einen ultimativen Tipp für alle werdenden Väter?

Besuche niemals einen Geburtsvorbereitungskurs und lies auch keine Bücher zu dem Thema! Erhalte Dir den Zauber des bevorstehenden Abenteuers! (Pause) Wenn Du aber dazu gezwungen wirst oder Du Dich selbst dazu nötigst, dann kauf „Papa To Go“, da steht alles drin und komme in meinen Kurs. Danke.

 

Möchten Sie weitere Information über Christian Busemann und seine Arbeit erfahren, kontaktieren Sie Ihn unter christian.busemann@googlemail.com oder besuchen Sie seine Homepage christianbusemann.blogspot.com.

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