13.04.2015, von Florian Gercke
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Stereotype & Vorurteile – Ursprung und Einfluss auf die Partnerwahl

 

Stereotype Franzosen und Blondine

 

Sie verlieben sich immer in die Falschen? Vorurteile könnten schuld sein. Wie sie entstehen, wie sie uns blenden und was wir dagegen tun können, das erfahren Sie hier.

 

 

Inhaltsverzeichnis:

Was ist der Unterschied zwischen Vorurteilen und Stereotypen?

Woher kommen Vorurteile?

Welche Funktion haben Vorurteile?

Wie Vorurteile uns das Liebesglück kosten

Wie wir die Mauern einreißen

 

 

Feministinnen sind humorlos, Italienische Männer Machos – wir alle kennen derlei Vorurteile, doch was steckt dahinter? Wahrheit oder Wahnsinn? Die Antwort führt über folgende Frage:

 

Was ist der Unterschied zwischen Vorurteilen und Stereotypen?

 

Ein Stereotyp ist eine Vorstellung von/oder Erwartungen gegenüber einer Gruppe von Menschen. Dabei ist das Stereotyp weder emotional, noch durch Glauben aufgeladen.

 

Ein Vorurteil ist ein Stereotyp an das wir glauben und/oder das Emotionen, positive wie negative, in uns hervorruft.

 

Vorurteile entstehen also aus Stereotypen. Beide können zwar das berühmte Körnchen Wahrheit enthalten, allerdings sind sie mit Vorsicht zu genießen. Denn jedes Vorurteil ist eine Verallgemeinerung und trifft deshalb nicht unbedingt auf eine konkrete Situation zu. Häufig provozieren wir im Glauben an solche Wahrheiten eher selbsterfüllende Prophezeiungen.

 

Woher kommen Vorurteile?

Die Grundsteine unserer Stereotype und Vorurteile werden in unserer Kindheit gelegt. Sie festigen sich in unserer Jugend. Doch selten suchen wir Sie uns freiwillig aus. Meist bekommen wir sie aus zweiter Hand, von unseren Eltern, Freunden oder aus den Medien.

 

Letztere beeinflussen uns oft unbewusst, denn wir lernen auch passiv: Unbewusst saugen wir Informationen aus unserer Umgebung auf – besonders wenn sie sich wiederholen. Stereotype zeugen also von der Kultur, in der wir aufgewachsen sind und leben.

 

 

Wussten Sie, dass…
wir unkonventionelle Menschen automatisch diskriminieren, weil sie unser Weltbild in Frage stellen? Denken Sie an das frühe Christentum, Hausmänner oder Frauen in Führungspositionen.

 

 

Welche Funktion haben Vorurteile?

 

Stereotype und Vorurteile sind der Architektur unseres Gedächtnisses geschuldet. Stellen Sie es sich als ein Netz vor: Die Fäden sind unterschiedlich stark, ihre Schnittpunkte sind Begriffe. Je stärker die verbindenden Fäden, desto stärker und konstanter bringen wir die Begriffe miteinander in Verbindung. So denke ich bei dem Begriff „Italienischer Mann“ automatisch an den Begriff „Macho“, da ich diese Verbindung seit meiner Kindheit gelernt habe.

 

Das hat folgenden Sinn: Es erspart uns jede Menge Denken. Insofern machen uns treffende Assoziationen flink und wappnen uns für den Alltag.

 

Das System hat aber auch seine Schattenseiten: Wenn wir allerorts und jederzeit damit konfrontiert werden, dass Italienische Männer Machos sind, glauben wir schnell daran – und scheren sie über einen Kamm.

 

Vorurteile bestimmen wer wir sind: Sie entspringen unserem Bedürfnis nach Identität – wir wollen uns selbst begreifen. Und das tun wir auch über Gruppen. Sind wir erst einmal Teil einer geworden, schenken uns Ihre Mitglieder zudem Anerkennung. Das bindet uns so stark an sie, dass wir unser Verhalten der Gruppe anpassen, auch wenn uns das zwingt andere zu diskriminieren. Dieses Verhalten ist auch als Gruppenzwang bekannt.

 

 

Wussten Sie, dass…
das Somalische Sprichwort  "Ich und Somalia gegen die Welt; ich und mein Clan gegen Somalia; ich und meine Familie gegen den Clan; ich und mein Bruder gegen die Familie; ich gegen meinen Bruder." gut beschreibt wie wir unsere Gruppenzugehörigkeit organisieren? Je exklusiver eine Gruppe, desto wichtiger ist Sie für uns.

 

 

Wie Vorurteile uns das Liebesglück kosten

 

Stereotype und Vorurteile verzerren unsere Wahrnehmung und beeinflussen unser Handeln – auch in Sachen Liebe. Unsere Schubladen sortieren eifrig die Spreu möglicher Partner vom Weizen. Aussehen, Religion, Rasse, Nationalität, Status, Beruf und Alter sind nur ein paar Kategorien in denen uns vorgefertigte Meinungen den Weg zum Glück versperren:

 

 

Würden Sie jemanden daten der einen deutlich geringeren Bildungsabschluss als Sie hat?

 

 

Und nicht nur unser Partner in spe muss durch die Maschen unserer Vorurteile fallen: Auch die Abläufe von Flirts und Dates folgen Regeln. Das beginnt schon beim Ansprechen: Er muss den Anfang machen, oft auch die erste Rechnung übernehmen.

 

 

Wussten Sie, dass…
das Sprichwort „Ausnahmen bestätigen die Regel.“ einen psychologischen Mechanismus namens Subtyping beschreibt, der unsere Stereotype und Vorurteile aufrecht erhält?

 

 

Wie wir die Mauern einreißen

 

Zum Glück sind Vorurteile erlernt. Deshalb können wir Sie auch wieder vergessen, oder gar umformen. Das ist viel Arbeit, denn einmal geknüpft schweben Sie uns vor wie eherne Gesetze. Wir müssen uns Ihrer bewusst werden, wenn sie aufflackern und dann hilft nur aktives Umdenken.

 

Wie wir Vorurteile bei der Partnerwahl überwinden, beschrieb die berühmte englische Autorin Jane Austin in ihrem renommierten Roman „Stolz und Vorurteil“. Darin finden Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy, beidseitig durch Vorurteile bezüglich Stand und Verhalten getrennt, doch noch in Liebe zueinander.

 

Die Lösung des Konfliktes liefert ein Brief, in dem Darcy seine Motive offenlegt und persönliche Schwächen eingesteht. Aber auch jenseits von Herzensangelegenheiten ist persönlicher Kontakt am effektivsten, wenn wir die Mauern in unseren Köpfen einreißen wollen.

 

Vorurteile loszuwerden ist offenbar ein Vollkontaktsport: Also wagen wir den Schritt nach draußen und lernen wir kennen, wen wir zu kennen glauben. Treffen Sie sich mit Menschen gegen die Sie Vorurteile hegen. Jede Gruppe hat Ihre Orte, an denen Sie sich bevorzugt aufhält, ob Shisha-Cafe oder Rockerkneipe. Mischen Sie sich unter die Leute und beobachten Sie sie, betont unvoreingenommen: versetzen Sie sich mitfühlend in Ihr Gegenüber. Sie werden sehen: Es ist Ihnen ähnlicher als Sie annehmen.

 

 

Wussten Sie, dass…
depressive Menschen sich selbst und andere Menschen unvoreingenommener wahrnehmen? Positive Emotionen verleiten eher zur Diskriminierung als negative.

 

 

Wer mehr über Stereotype, Vorurteile und Co. erfahren will, dem empfehle ich das Buch „Kleine Einführung in das Schubladendenken: Vom Nutzen und Nachteil des Vorurteils“ von Dr. Jens Förster.

 

Florian Gercke, eDarling-Redaktion

 

 

Sie haben Fragen und Anregungen? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@edarling.de

 

 

 


 

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