von eDarling Redaktion
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Zu viel Nähe: Schadet das meiner Beziehung?

Zu Viel Nähe in der Beziehung: Frau schaut genervt, Mann Traurig
Zu Beginn der Beziehung würden Sie am liebsten jede freie Minute miteinander verbringen und so viel wie möglich gemeinsam unternehmen. Aber kann zu viel Nähe Ihrer Beziehung schaden? Wie können Sie das richtige Maß zwischen Distanz und Nähe finden?

 

Das Ende der Dauernähe

Besonders am Anfang der Partnerschaft möchten viele Menschen Ihren Partner am liebsten gar nicht mehr hergeben. Die anfängliche Nähe dient dazu, einander intensiv kennenzulernen und als Paar zusammenzuwachsen.

Nach einiger Zeit lässt dieses Bedürfnis nach Dauernähe jedoch nach und die Beziehung wechselt in eine andere Phase – jetzt wird auch der Wunsch nach eigenen Freiräumen intensiver. Diese Entwicklung ist ganz normal und auch wichtig.
 

Zu viel Nähe? Vier Tipps für die richtige Balance in Ihrer Beziehung

Wenn ein Partner sich wünscht, mehr Zeit ohne den Anderen zu verbringen, muss das nicht heißen, dass die Liebe erkaltet ist. Möglicherweise ist nur die erste Euphorie verflogen oder derjenige fühlt sich durch zu viel Nähe eingeengt.

Ein Übermaß an Nähe kann in diesem Fall selbst der harmonischsten Partnerschaft schaden. Häufig fällt den Paaren nicht sofort auf, dass die gemeinsam verbrachte Zeit an Qualität verliert und durch Alltag und Routine bestimmt wird. Um rechtzeitig einer schädigenden Gewohnheit vorzubeugen, helfen schon fünf einfache Ratschläge:
 

1. Wahren Sie Ihre Interessen!

Selbst in der anfänglichen Euphorie sollten die Partner sich nicht komplett aufeinander konzentrieren. Pflegen Sie deshalb eigene Interessen und geben Sie geliebte Hobbys nicht extra für den Partner auf. Achten Sie auch darauf, dass er es Ihnen gleichtut und ermutigen Sie ihn, seinen Leidenschaften regelmäßig nachzugehen.

Eigene Vorlieben machen Sie erst richtig interessant füreinander und sichern Ihre persönliche Zufriedenheit. Wenn Sie ausgeglichen sind, wird Ihr Partner dies positiv wahrnehmen. Zu viel Nähe können Sie vermeiden, indem Sie beispielsweise an gemeinsamen Wochenenden auch einmal ein paar Stunden getrennt voneinander verbringen.
 

2. Wer Freundschaften pflegt, hat wenig Probleme mit zu viel Nähe

Sowohl die eigenen als auch die Freunde des Partners können eine wichtige Stütze für Ihre Beziehung darstellen. Die Meinung Dritter ist bei schwierigen Entscheidungen hilfreich, weil Sie dadurch eventuell neue Perspektiven und Sichtweisen auf manche Situation erhalten. Männer- oder Frauenabende bringen Ihnen außerdem die nötige Abwechslung im Beziehungsalltag und neue Gesprächsthemen.

„Machen Sie nicht den Fehler, sich mit Ihrem Partner vom Rest der Welt abzuschotten und so wertvolle Freundschaften zu verlieren. Viele Paare vergessen die Pflege ihrer Freundschaften und bemerken die Kluft nicht, die sich mit der Zeit zwischen ihnen und ihren Freunden auftut. Bedenken Sie, dass Ihr Partner Ihre Freunde nicht ausschließlich ersetzen kann und dies auch nicht soll“, erläutert eDarling-Psychologin Dr. Wiebke Neberich.
 

3. Die eigenen Träume verwirklichen

Kompromisse für die Beziehung einzugehen, ist in einer langfristig erfolgreichen Partnerschaft absolut notwendig. Dennoch ist es genauso wichtig, die eigenen Wünsche und Träume nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn Sie immer nur zurückstecken, etwa Hobbys aufgeben oder berufliche Möglichkeiten aus Rücksicht auf Ihren Partner nicht nutzen, kann das zu Spannungen und Unzufriedenheit in der Beziehung führen.

Sehen Sie Veränderungen – etwa einen Auslandsaufenthalt oder einen Umzug – nicht nur als Gefahr für Ihre Beziehung an. Die zeitweilige räumliche Trennung kann nämlich auch eine Chance sein, als Paar an der Herausforderung zu wachsen.

Machen Sie sich ebenfalls bewusst, dass manche Partnerschaften an einem Übermaß an Nähe zerbrechen: „Zu viel Nähe bewirkt selten, dass sich zwei Menschen eng verbunden miteinander fühlen. Das Gegenteil ist oft der Fall: Verbringen die Partner zu viel Zeit zusammen, entfernen sie sich gefühlsmäßig voneinander“, erklärt Dr. Neberich.
 

4. Bedürfnis nach Nähe und Distanz aushandeln

Das Bedürfnis nach Nähe und Distanz variiert von Mensch zu Mensch. Nach den ersten Monaten der Verliebtheit macht sich dieser Unterschied häufig bemerkbar. Während der eine Partner viel zu zweit unternehmen will, bedeutet das für den Anderen zu viel Nähe. Er braucht vielleicht gerade seine Ruhe und möchte alleine sein.

„Distanz muss nicht immer bedeuten, dass Sie weg vom Partner möchten. Es kann auch bedeuten, dass Sie für eine Weile mehr Raum für sich selbst haben möchte. Das ist ein entscheidender Unterschied, den langjährige Paare sehr gut in ihrer Beziehung wahrnehmen können“, erläutert Dr. Neberich.

Durch mangelndes Einfühlungsvermögen kann der Beziehung ernsthaft Schaden zugefügt werden. Sprechen Sie daher Ihren Wunsch nach Nähe oder Distanz offen und ehrlich an – ohne dabei verletzend oder kritisierend zu werden. Erklären Sie vielmehr Ihre Gefühle, damit Ihrem Partner Ihre Situation verständlich wird.
 

5. Zu viel Nähe? Finden Sie Ihren persönlichen Mittelweg

Einen gesunden Mittelweg zwischen Nähe und Distanz zu finden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in einer Partnerschaft. Zu viel Nähe kann dabei ebenso schädlich für die Beziehung sein wie ein zu distanzierter Partner.

„Da die meisten Menschen ein unterschiedliches Verlangen nach Nähe oder Distanz besitzen und sich dies je nach Gemütszustand auch ändern kann, ist der offene Austausch miteinander der beste Weg, um Unzufriedenheit vorzubeugen. Der Liebe droht meist Gefahr von zwei Seiten: Durch zu große Entfernung oder zu viel Nähe“, so Dr. Neberich.

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Kommentare

Ich bin seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen und wir arbeiten von zu Hause aus. Mein Mann möchte jede Sekunde mit mir verbringen (zur gleichen Zeit aufstehen, gemeinsam arbeiten, gemeinsam kochen, einkaufen, putzen, schlafen gehen etc.)Wenn ich ihm sage, dass ich Zeit für mich brauche ist er gleich gekränkt und gibt mir das Gefühl, mich falsch und lieblos zu verhalten. Freunde hat er keine und ich jetzt auch nicht mehr. Ich bin darüber sehr unglücklich und jedes Gespräch in diese Richtung führt zum Streit. Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte mal was ohne Mann und Kinder gemacht habe. Gibt es zu diesem Thema Literatur, die uns weiterhelfen kann?