von eDarling Redaktion
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Dr. Frank Naumann: „Smalltalk ist eine Kunst, die jeder lernen kann“

Dr. Frank Naumann zum Thema Smalltalk lernen: Portraitbild
Wer die Kunst des Smalltalks beherrscht, kann schnell Sympathien aufbauen und Bekanntschaften schließen. Gerade auch beim Flirten kann Smalltalk ein hilfreiches Mittel sein. Dr. Frank Naumann, Kommunikationspsychologe, Sachbuch- und Hörspielautor sowie Verfasser des Ratgebers „Die Kunst des Smalltalk - Leicht ins Gespräch kommen, locker Kontakte knüpfen“ spricht mit uns darüber, wie Sie leicht Gesprächseinstiege finden und Schüchternheit.

Herr Naumann, ist Smalltalk eine Kunst oder kann es jeder lernen?

Beides, Smalltalk ist eine Kunst, aber jeder kann sie lernen. Wie etwa auch bei der Malerei, gibt es beim Smalltalk Regeln, an die man sich halten kann und Techniken, die man anwenden kann. Die wahre Kunst aber besteht dann darin, diese Regeln und Techniken mit Leben zu füllen und seine eigene Persönlichkeit mit einzubringen.
 

Warum ist es so wichtig, die Fähigkeit zum Smalltalk zu besitzen?

Für jeden Menschen ist die Fähigkeit zum Smalltalk wichtig, da Sie damit im sozialen Umgang bestehen können, neue Kontakte knüpfen und Sympathien herstellen können. Beim ersten Kontakt muss man das Gegenüber erst einmal kennenlernen. Dazu ist Smalltalk perfekt geeignet, da Sie sich durch unverfängliche Themen sozusagen „aufwärmen“ können. Wenn Sie dann zu den ernsteren Themen kommen, können Sie Ihren Gesprächspartner schon ein bisschen besser einschätzen. Smalltalk hält man aber nicht nur mit Fremden, sondern zum Beispiel auch mit alten Bekannten, die man schon länger nicht mehr gesehen hat oder mit Kollegen im Büro.
 

Warum fällt es so vielen schwer, mit fremden Menschen unverfänglich ins Gespräch zu kommen?

Die meisten Menschen haben Angst vor Abweisung und vor der ungewissen Reaktion des Gesprächspartners. Gerade schüchterne Personen sind unsicher und sehen den anderen häufig als potentielle Bedrohung. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit mit jemandem etwas gemeinsam zu haben, gerade auch im gleichen Kulturkreis, gar nicht so gering.  Mit Smalltalk-Themen können Sie in der Regel auch nichts falsch machen. Deshalb sind auch viele dieser Ängste unbegründet.
 

Wie kann man Schüchternheit am besten überwinden?

Für Schüchterne gibt es extra Trainingsprogramme, die auch große Erfolgschancen versprechen. Schüchternheit gilt in der Psychotherapie als gut heilbar. Studien belegen, dass 50% der Deutschen sich selbst als regelmäßig schüchtern und 40% sich selbst als gelegentlich schüchtern einschätzen. Das bedeutet, dass Schüchterne in Gesprächen auch häufig aufeinander treffen. Machen Sie sich also bewusst, dass Ihr Gesprächspartner vielleicht genau das gleiche Problem hat, wie Sie.

Um Schüchternheit zu überwinden, sollte man vor allem auf das Prinzip „learning by doing“ setzen. Versuchen Sie genau das zu tun, wovor Sie eigentlich Angst haben. Beginnen Sie dabei mit dem, was für Sie gerade noch möglich ist und steigern Sie sich dann immer mehr. Als Übung können Sie beispielsweise in einer belebten Einkaufsstraße Menschen grüßen, die Sie nicht kennen. Das kostet Überwindung, aber solange Sie höflich sind, kann Ihnen dabei nichts passieren. Oder erkundigen Sie sich bei einem Fremden nach einer Straße oder einem Restaurant. Dabei steht nicht die Information im Vordergrund, sondern dass Sie üben, sozialen Kontakt herzustellen, ohne dass es dafür einen wichtigen Grund gibt. Wenn Sie auf einer Party sind und sich mit jemandem unterhalten möchten, den Sie nicht kennen, müssen Sie im Prinzip das Gleiche machen. Sie müssen einen Grund - einen sogenannten „Türöffner“ -  finden.
 

Was sind die absoluten No-Go´s beim Smalltalk?

Es gibt verschiedene No-Go´s beim Smalltalk. Vermeiden Sie es, Ihrem Gegenüber lange Vorträge zu halten oder ihn von Ihrer Lieblingsthese überzeugen zu wollen. Genauso wenig sollten Sie schweigen und erwarten, dass der andere das Gespräch führt. Auch Unhöflichkeit ist ein absolutes No-Go. Bei der Themenwahl ist es wichtig, darauf zu achten, dass Sie keine strittigen oder kontroversen Themen ansprechen. Alles was Politik, Religion oder andere Weltanschauungen betrifft ist ungeeignet, da man darüber sehr schnell in Streit ausbrechen kann. Auch Intimes oder Peinlichkeiten sollten vermieden werden, genauso wie das Thema Krankheiten.
 

Welche Gesprächsthemen sind zu empfehlen?

Beim Smalltalk sind alle Themen zu empfehlen, die weder strittig noch intim, aber trotzdem persönlich sind. Sie können zum Beispiel über Ihre Wohnung oder Wohnumgebung plaudern. Auch Familie eignet sich gut für ein unverfängliches Gespräch. Themen wie Beruf, Ausbildung oder berufliche Pläne gehen immer gut und auch Urlaub, Hobbies und Tiere sind zu empfehlen.
 

Smalltalk beim Flirten – was ist hier besonders zu beachten?

Smalltalk beim Flirten eignet sich vor allem dazu, den anderen erst einmal „abzuchecken“, ob dieser überhaupt als potentieller Flirtkandidat in Frage kommt. Wenn man gleich losflirtet, dann aber feststellt, dass es doch nicht so passt, ist ein Rückzug oft schwierig. Daher können Sie durch Smalltalk die Situation noch in der Schwebe halten, bis Sie schon ein bisschen mehr über Ihren Gesprächspartner erfahren haben.

Wenn Sie dann auf das Flirten zusteuern, ist es am besten, wenn Sie Ihrem Gegenüber dezent Komplimente machen, zum Beispiel über ein Kleidungsstück, das er trägt oder eine Äußerung, die er gerade gemacht hat. Ebenfalls ist es wichtig Gemeinsames zu betonen. Wenn Sie gemeinsame Interessen entdeckt haben, stellen Sie diese im Gespräch heraus. Diese sind nämlich der perfekte Anknüpfungspunkt, um eine Verabredung zu vereinbaren. Und das ist ja schließlich das Ziel beim Flirten. Wenn Sie beide also die gleiche Art Filme mögen, verabreden Sie sich doch fürs Kino, wenn Sie beide den gleichen Geschmack für Literatur haben, leihen Sie Ihrer Bekanntschaft eines Ihrer Bücher aus.

Möchten Sie weitere Information über Dr. Frank Naumann und seine Arbeit erfahren, kontaktieren Sie ihn unter frnau@gmx.de.

 

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